Ratgeber · Fehlzeiten
Fehlzeiten senken: Ursachen verstehen und wirksame Maßnahmen wählen
Krankheitsbedingte Fehlzeiten haben viele Ursachen – nicht alle davon beeinflusst ein Unternehmen. Dieser Ratgeber zeigt, wo betriebliche Maßnahmen ansetzen können und wie du die Entwicklung fair und datenschutzgerecht beobachtest.
Kurz beantwortet
Wie kann ein Unternehmen Fehlzeiten senken?
Fehlzeiten lassen sich nicht per Einzelaktion senken. Wirksam ist eine Kombination: Belastungen am Arbeitsplatz analysieren und verringern, präventive Angebote zu Bewegung, Rücken, Stress und Schlaf dauerhaft verfügbar machen, Führungskräfte einbinden und Rückkehr nach längerer Krankheit strukturiert begleiten. Die Entwicklung wird über längere Zeiträume und nur aggregiert betrachtet.
Fehlzeiten in Zahlen: Österreich und Deutschland
In Österreich waren unselbstständig Beschäftigte 2025 laut WIFO-Fehlzeitenreport durchschnittlich 14,7 Kalendertage im Krankenstand, nach 15,1 Tagen im Jahr 2024. Das entspricht rund 4 Prozent der Jahresarbeitszeit. Atemwegserkrankungen verursachten 24,3 Prozent der Krankenstandstage, Muskel-Skelett-Erkrankungen 19,1 Prozent und psychische Erkrankungen rund 11,8 Prozent – obwohl Letztere nur 2,9 Prozent der Fälle ausmachten. Kurze Krankenstände unter vier Tagen waren 44,7 Prozent der Fälle, aber nur 10 Prozent der Tage.
In Deutschland waren Beschäftigte 2025 laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 14,6 Arbeitstage krankgemeldet. Gezählt werden dabei nur Krankmeldungen über drei Tage; Krankenkassen weisen wegen anderer Methoden höhere Werte aus. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit 2024 auf 134 Milliarden Euro.
Für dein Unternehmen heißt das: Ein großer Teil der Ausfalltage entsteht durch längere Erkrankungen des Bewegungsapparats und der Psyche – also genau dort, wo Arbeitsbedingungen und Prävention ansetzen können. Vergleiche eigene Werte nur mit derselben Zählweise.
Ursachen: Was Fehlzeiten beeinflusst
Jährliche Auswertungen wie der Fehlzeitenreport des WIFO in Österreich oder der Fehlzeiten-Report des WIdO in Deutschland zeigen, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen, Atemwegsinfekte und psychische Erkrankungen zu den wichtigsten Diagnosegruppen gehören. Saisonale Infektwellen schwanken stark und sind betrieblich kaum steuerbar.
Betrieblich beeinflussbar sind vor allem Arbeitsbedingungen, Führung, Arbeitsorganisation und der Zugang zu Präventionsangeboten.

Ursachen und Ansatzpunkte im Überblick
Nicht jede Ursache lässt sich im Betrieb beeinflussen. Die Übersicht hilft, Maßnahmen dort anzusetzen, wo das Unternehmen tatsächlich etwas verändern kann.
| Ursache | Betrieblich beeinflussbar? | Möglicher Ansatzpunkt |
|---|---|---|
| Rücken- und Gelenkbeschwerden | Teilweise | Arbeitsplatzevaluierung bzw. Gefährdungsbeurteilung, Hebehilfen, Ergonomie-Einweisung, Rückentraining in der Arbeitszeit |
| Psychische Belastung | Teilweise | Arbeitsmengen und Prioritäten klären, Führungskräfte schulen, anonyme Beratung und Stressbewältigung anbieten |
| Atemwegsinfekte | Kaum | Hygiene, Lüften, freiwillige Impfangebote und keine Anwesenheitskultur bei Krankheit |
| Schicht- und Nachtarbeit | Ja | Schichtpläne mit Beschäftigten abstimmen, kurze Nachtschichtblöcke, Angebote zu Schlaf und Ernährung im Schichtdienst |
| Führung und Teamklima | Ja | Gesundes Führen schulen, Rückmeldungen einholen, Belastungen im Team offen ansprechen |
| Längere Erkrankung | Begleitend | Strukturierte Rückkehr: BEM in Deutschland, fit2work-Beratung in Österreich |
Maßnahmen, die zusammengehören
Verhältnisse verbessern
Arbeitsplatzevaluierung bzw. Gefährdungsbeurteilung inklusive psychischer Belastungen, Ergonomie, planbare Schichten und realistische Arbeitsmengen.
Verhalten unterstützen
Dauerhafte Angebote zu Bewegung, Rückengesundheit, Stress, Schlaf und Ernährung – erreichbar für Büro-, Schicht- und Außendienst.
Rückkehr begleiten
In Deutschland ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (§ 167 SGB IX) vorgeschrieben; in Österreich unterstützt fit2work Betriebe und Beschäftigte.
Fehlzeiten richtig messen
Vergleiche gleiche Zeiträume über mehrere Jahre, berücksichtige Infektwellen und Veränderungen in der Belegschaft und werte nur auf Unternehmens- oder großer Gruppenebene aus. Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen BGM-Start und sinkenden Fehlzeiten beweist noch keine Wirkung.
- Fehlzeitenquote und Krankenstandstage je Beschäftigtem im Jahresvergleich
- Beteiligung an Präventionsangeboten als Frühindikator
- Ergebnisse von Befragungen zu Belastungen
- Keine Auswertung einzelner Personen oder kleiner Teams
Wie FIT-UP dabei unterstützen kann
FIT-UP verbindet digitale Prävention mit Angeboten vor Ort. Die FIT-UP App macht Bewegung, Rückentraining, Ernährung und mentale Gesundheit für Büro, Schicht und Außendienst zugänglich; Challenges schaffen Anlässe zum Mitmachen. Gesundheitstage, HRV-Screening und KI-gestützte Haltungsanalyse ergänzen das Angebot vor Ort. Die gesamte Plattform ist modular, du wählst nur, was zu deinem Bedarf passt.
Für die Steuerung zeigt das Reporting Nutzung und Beteiligung ausschließlich aggregiert. Ob sich Fehlzeiten verändern, prüfst du mit deinen eigenen Personaldaten über mehrere Jahre – eine Verknüpfung mit einzelnen Personen findet nicht statt.
Grenzen: Was das nicht ist
- Kein Ratgeber für den Umgang mit einzelnen Krankmeldungen oder arbeitsrechtliche Fragen.
- Krankenrückkehrgespräche mit Kontrollcharakter sind kein Bestandteil eines präventiven BGM.
- Prognosen zu konkreten Einsparungen sind ohne eigene Daten nicht seriös möglich.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der durchschnittliche Krankenstand in Österreich und Deutschland?
In Österreich waren Beschäftigte 2025 laut WIFO-Fehlzeitenreport im Schnitt 14,7 Kalendertage im Krankenstand. In Deutschland waren es laut Statistischem Bundesamt 14,6 Arbeitstage, gezählt werden dort nur Krankmeldungen über drei Tage. Wegen unterschiedlicher Zählweisen – Kalender- oder Arbeitstage, mit oder ohne Kurzzeitkrankenstände – lassen sich die Werte nicht direkt vergleichen.
Was kosten Fehlzeiten ein Unternehmen?
Direkt fallen vor allem die Entgeltfortzahlung und Vertretungen an, indirekt Produktivitätsverluste und Mehrbelastung im Team. Volkswirtschaftlich schätzt die BAuA die Produktionsausfälle in Deutschland 2024 auf 134 Milliarden Euro; in Österreich lagen die direkten Kosten laut WIFO 2024 bei rund 6 Milliarden Euro. Für dein Unternehmen rechnest du am besten ein eigenes Szenario mit deinen Fehltagen und Kosten je Ausfalltag.
Welche Maßnahmen wirken am stärksten gegen Fehlzeiten?
Am meisten Aussicht auf Wirkung hat eine Kombination aus besseren Arbeitsbedingungen, dauerhaften Präventionsangeboten mit hoher Beteiligung und guter Führung. Einzelaktionen wie ein einmaliger Gesundheitstag reichen allein meist nicht aus.
Wie lange dauert es, bis sich Fehlzeiten verändern?
Veränderungen zeigen sich in der Regel erst über mehrere Jahre. Kurzfristig sind Beteiligung und Rückmeldungen der Mitarbeitenden die besseren Indikatoren.
Darf ich Fehlzeiten mit der Nutzung der BGM-App verknüpfen?
Nein, nicht auf Ebene einzelner Personen. Gesundheitsdaten und Fehlzeiten dürfen nicht personenbezogen zusammengeführt werden. Sinnvoll sind nur aggregierte Vergleiche auf Unternehmensebene.
Weiterlesen bei FIT-UP
Quellen
- WKO: WIFO-Fehlzeitenreport 2026 – Hauptergebnisse (Juli 2026)
- Destatis: Krankenstand – Indikatoren zur Qualität der Arbeit
- KBV: Kosten der Arbeitsunfähigkeit (BAuA-Schätzung 2024)
- WIFO: Fehlzeitenreport (Österreich, jährlich)
- WIdO: Fehlzeiten-Report (Deutschland, jährlich)
- § 167 SGB IX – Betriebliches Eingliederungsmanagement
- fit2work – Beratung für Betriebe in Österreich
Herausgegeben von der FIT-UP GmbH, Linz (Österreich) – Anbieterin einer Plattform für betriebliches Gesundheitsmanagement in Österreich und Deutschland. Zuletzt aktualisiert: 09.10.2026.
Prävention aufbauen, die genutzt wird
Wir zeigen dir, wie Plattform, Challenges und Gesundheitstage Beteiligung erzeugen und wie du sie aggregiert auswertest.